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DIE COSMOGRAPHIAE INTRODUCTIO

Als Amerigo Vespucci von seiner dritten Expedition auf Eilforderung des Königs von Portugal zurückkehrt, vertraut er seinem Herrscher einen detaillierten technischen Bericht dieser Reise an, bei der er die atlantische Küste von Südamerika erforscht hatte. Dieses Dokument, das "Mundus Novus", wird zwischen dem 7. September 1502, dem Tag seiner Rückkehr nach Lissabon, und dem 10. Mai 1503, dem Tag, an dem er die vierte Expedition beginnt, verfasst.

Das "Mundus Novus" ist ein kurzer Bericht, der nur wenige Seiten füllt, der aber schnell von zahlreichen Druckern herausgegeben wird, in Paris, Florenz, Antwerpen, aber auch in Straßburg, im Jahre 1505 durch Mathias Ringman. Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass dieser kleine Text zu einem wahren Bestseller in Europa wurde.

Dieser Text wird 1507 in der "Cosmographiae Introductio" in Saint-Dié-des-Vosges gedruckt. Am Ende des 15. Jahrhunderts hat sich in dieser Stadt eine brilliante intellektuelle Bewegung gebildet. Ein besonderer Platz steht einer kleinen Gruppe von Gebildeten zu, die ihre Vorliebe für Geographie entdeckt haben: Gauthier und Nicolas Lud, Jean Pelerin, genannt Viator, Jean Basin Sandaucourt, Mathias Ringmann und Martin Waldseemuller.

Bleiben wir bei den letzten beiden. Mathias Ringman ist 1482 in dem elsässischen Weinbaugebiet zwischen Barr und Sélestat (Eichhoffen oder Reichsfeld, die Frage bleibt offen) geboren. Er war wahrscheinlich Schüler der Lateinschule von Sélestat, die von Dringenberg gegründet worden war.
Dann führte er sein Studium der Theologie und der Mathematik an der Universität Heidelberg weiter, wo er Wimpfeling (ein weiterer aus Sélestat) kennenlernte. Darauf an der Universität von Paris eingeschrieben, lernt Ringmann dort Griechisch und besucht bis 1503 die Seminare von Lefèvre d'Etaples zur Kosmographie, Philosophie und Mathematik. In Paris entdeckt er wahrscheinlich das "Mundus Novus". Nach der Rückkehr nach Straßburg, findet er sich im Milieu der Verleger wieder. Hier lernt er auch Gauthier Lud kennen, der daran denkt, ihn in sein Unternehmen einzugliedern. Ringmann kann sich in der Tat als ein ausgezeichneter Mitarbeiter bewähren: als Hellenist hat er die Kosmographie studiert und interessiert sich insbesondere für die Entdeckungen Vespuccis. Ferner ist er ein Kenner des technischen Drucks.

Der Ort und das Geburtsdatum von Martin Waldseemuller ist unter den Wissenschaftlern umstritten: es könnte Radolfzell, am Ufer des Bodensees sein, oder auch Freiburg im Breisgau, um 1474 herum. 1490 beginnt Martin sein Universitätsstudium in Freiburg, geht dann nach Basel, wo er in einer Druckereiwerkstatt arbeitet. Während seines Aufenthalts in Basel entscheidet er sich für die Religion.

Wie wurde Lud dazu gebracht, Waldseemüller als Cartographen einzustellen, um die "Geographia" von Ptolemäus herzustellen? Ein Rätsel.
Wie dem auch sei, Lud stellt ihn dem Herzog René de Lorraine als "den klügsten Mann" in der Kunst der Kartenzeichnung vor.

Fakt ist, dass zwischen 1507 und 1519, Waldseemüller eine große Anzahl an Karten von außerordentlicher Qualität zeichnen wird, Karten, die alle Kosmographen der Jahrzehnte beeinflussen werden. Dieser "Splittergruppe" von Saint-Dié verdankt man die Herstellung der "Cosmographiae introductio". Die beiden Techniker dieser Unternehmung sind Ringmann, der die griechischen Manuskripte entziffern und ins Lateinische übersetzen kann, und Waldseemüller, ein exzellenter Kartenzeichner.

Die "Cosmographiae introductio", wie der Titel teilweise schon zeigt, ist eine Art Vorwort für eine Beschreibung der Welt. Sie dient dazu, die große Weltkarte "Universalis cosmographiae", die von Waldseemüller gezeichnet wurde, zu erklären.

Es gibt keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass die Urheberschaft des Textes einem oder anderem der fünf Mitglieder der Gelehrten von Saint-Dié zugewiesen werden könnte. Waldseemüller bekennt sich in einer Widmung zum Entwurf der Karte und des Globus. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Mathias Ringman der Verfasser der Texte ist.

Welche Schlüsse zieht man nun daraus? Der Text der "Cosmographiae" scheint das Ergebnis der Gedanken und des Ideenaustausches zwischen drei Personen zu sein: Lud, Ringmann, Waldseemüller. Die Erfindung des Namen America ist wahrscheinlich die Frucht einer engen Zusammenarbeit, die dieser Gruppe von Gebildeten zu verdanken ist.

Aus welchem Grund gab es nun mehrere Ausgaben, mindestens eine (vielleicht zwei oder drei), die eine Widmung im Namen des Gymnasiums enthält, aber nur eine einzige mit den Namen von Ringmann und Waldseemuller ? Es ist wahrscheinlich, dass die Auflagen mit dem Namen des Gymnasiums Ausgaben sind, die dafür bestimmt waren, in Lothringen und dem restlichen Europa verbreitet zu werden, während die eine mit der Widmung Ringmann-Waldseemüller eine Sonderausgabe ist, die speziell für die beiden Gebildeten angefertigt worden ist, in Form einer Danksagung und als Teilentlohnung für ihre Zusammenarbeit. Ein Exemplar der letzt genannten Ausgabe wurde 1510 Beatus Rhenanus, einem ehemaligen Mitschüler der Lateinschule in Sélestat, von Ringmann geschenkt. Es erscheint vernünftig, anzunehmen, dass diese Auflage in ihrer Anzahl unbedeutend ist und dass sie die erste war. Es ist möglich, dass es von dieser limitierten Ausgabe nur noch ein einziges Exemplar weltweit existiert, nämlich das der Humanistischen Bibliothek von Sélestat. Die Untersuchung ist im Gange. Gewissermaßen ein "America code"!

Schließlich ist es nicht übertrieben, zuzugeben, dass seit 1507 eine neuartige Sicht der Weltgeographie herrscht, zumindest von drei Sichtweisen aus:
- erste Darstellung der "Neuen Welt" als einen echten vierten Kontinent (bis dahin auf kartographischen Dokumenten ignoriert)
- Namensgebung dieses neuen Kontinents nach dem Vornamen eines Seefahrers, der als erster wahrgenommen hat, ein unbekanntes Land erreicht zu haben.
- universelle Verbreitung dieser neuen Darstellung der Welt, dank der Drucktechnik, die ein halbes Jahrhundert zuvor durch Gutenberg entwickelt worden war.

   


Mathias Ringmann
vu par Gaston Save

(peinture du XIXème s.)


Martin Waldseemüller
vu par Gaston Save

(peinture du XIXème s.)



Gauthier Lud
vu par Gaston Save (extrait)


Marque de l'imprimerie
Saint-Dié-des-Vosges


Amerigo Vespucci